Aktion

vom ersten schlag zum letzten schliff
ein tagtäglicher tag im leben des bildhauers friedrich sebastian feichter

schlüssel ins atelierschloss: acht uhr
bleibt außen stecken
beheizen des ateliers und erster schlag: frau – skulptur, mehrere meter
heute: metall; schweißen, schweiß; sonst: holz
unangemeldeter kundenbesuch: „schnitzereien?“„nein, keine schnitzereien!“ statuetten oder kruzifixe?“ „nein, keine statuetten und kruzifixe!“ „schönen tag noch“ „ja“
schweißbrille, schweißen, schweißnaht, brüste, schweiß
schwätzchen mit dem postmann
anruf bank: geld von skulpturenverkauf eingelangt nebst info zu interessanten anlagemöglichkeiten – schön wär´s; anstelle: information, dass kontorahmen ausgereizt ist, nebst vorsichtiger nachfrage, wie die geschäfte laufen, nebst noch vorsichtigerer nachfrage bezüglich zu erwartender eingänge; „keine sorge, nur routine!“ „keine sorge, hab routine!“
besuch eines freundes: kaffee, philosophie, mystik, metaphysik, nebst verunglimpfung von banken und kapitalismus, kunst und markt (einheimisch und international), projekte, ausstellungen, wettbewerbe und: „schreibst du mir meinen arbeitstag? bin bildhauer, nicht autor…“ „gerne“
handanlegen an frau, skulptur metall, mehrere meter
die brüste, der schweiß, ablegen der schweißbrille
schlüssel aus dem atelierschloss
mittagessen für/mit familie, e-mails, couch
schlüssel ins atelierschloss: vierzehn uhr – bleibt außen stecken
schneiden, schlagen, biegen, schweißen, schleifen
gedanken:
freude über die nachricht vom erfolg einer kollegin – heute: feels good; früher: neidvolles schielen
freude und zufriedenheit mit jüngster arbeit nebst unverständnis wegen blassen echos
sowie – verwunderung über den erfolg einer früheren arbeit nebst persönlicher unzufriedenheit
zwischendurch: korrespondenzen, notizen und skizzen für teilnahme an wettbewerb
kaffee – nachmittags oft vergessen
sitzen im freien, in der sonne, einige minuten homo solaris
schleifen der schweißnähte, grobsäuberung des ateliers, wartung der maschinen,
besuch eines freundes: „danke für tagesbericht“
„gerne fritz, danke für deine freundschaft“